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University of Graz News Neue Forschungsgruppe „Vererben in komplexen Familien“ vom FWF bewilligt (2026 – 2031)

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Friday, 23 January 2026

Neue Forschungsgruppe „Vererben in komplexen Familien“ vom FWF bewilligt (2026 – 2031)

Vererben in komplexen Familien ©Anbu_Creations - stock.adobe.com

Der Österreichische Wissenschaftsfonds (FWF) hat erstmals eine Forschungsgruppe im Förderumfang von 1.5 Millionen Euro für fünf Jahre im Bereich der Rechts- und Sozialwissenschaften bewilligt. Die Forschungsgruppe „Inheriting in a changing society: A socio-legal exploration of inheritance and bequests in complex families“ ist interdisziplinär ausgerichtet und verbindet rechtswissenschaftliche Analysen mit familien- und wirtschaftssoziologischen Zugängen zur Praxis des Erbens und Vererbens in der Gegenwartsgesellschaft.

Das Forschungsteam wird von Professor Gregor Christandl vom Institut für Zivilrecht der Universität Graz geleitet. Weitere Mitglieder des Konsortiums sind Professorin Ulrike Zartler vom Institut für Soziologie der Universität Wien und Professor Klaus Kraemer vom Institut für Soziologie der Universität Graz. Wissenschaftlicher Mitarbeiter des wirtschaftssoziologischen Teilprojekts ist Nico Tackner.

Erben und Vererben ist weit mehr als die Weitergabe von Vermögen. Es berührt Fragen von Gerechtigkeit, Verantwortung und sozialem Zusammenhalt. In einer Gesellschaft mit hoher Scheidungsrate, Patchworkfamilien, unverheirateten Paaren, gleichgeschlechtlichen Beziehungen und grenzüberschreitenden Lebenswegen stoßen traditionelle Regeln des Erbrechts immer wieder an ihre Grenzen. Bis heute ist unklar, wie in komplexen und rechtlich marginalisierten Familien Praktiken des Vererbens umgesetzt und ausgehandelt werden. 

Der Forschungsverbund untersucht, wie Menschen angesichts dieser veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen erben und vererben. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie persönliche Wünsche, familiäre Erwartungen und rechtliche Vorgaben zusammenwirken. Analysiert wird, wie Menschen ihre Vorstellungen in Testamenten festhalten, wie Gerichte in komplexen oder konfliktträchtigen Erbfällen entscheiden und welche Rolle soziale Werte, moralische Verpflichtungen und familiäre Bindungen dabei spielen.

Das Forschungsverbund verbindet unterschiedliche Methoden und Perspektiven. Neben der Analyse rechtlicher Regelungen werden Experteninterviews und Bevölkerungsumfragen durchgeführt sowie Gerichtsakten, Fallstudien und Testamente ausgewertet. Dieser Zugang ermöglicht es, sowohl formale rechtliche Strukturen als auch informelle soziale Praktiken sichtbar zu machen. So wird deutlich, wie Erbschaften in der Praxis ausgehandelt werden und wo Spannungen zwischen etabliertem Recht und veränderter Lebensrealität entstehen.

Ziel des Verbundes ist es, ein besseres Verständnis dafür zu gewinnen, wie Erbschaften in einer vielfältigen und mobilen Gesellschaft verteilt werden. Die Ergebnisse zeigen, wo bestehende Regelungen gut funktionieren und wo Anpassungen des Erbrechts sinnvoll sein könnten. Die Forschung liefert damit wichtige Grundlagen für politische Entscheidungen, für die rechtliche Praxis und für die öffentliche Diskussion über Fairness, Verantwortung und Zusammenhalt zwischen den Generationen.

Beitrag aus Steiermark Heute - Wissenswertes: Erberecht

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