Im Frühjahr 2026 führten Soziolog:innen der Universität Graz in Kooperation mit VIVID eine Befragung unter 623 Studierende der fünf größten steirischen Hochschulen zum Konsum von Nikotinbeuteln durch. Die Erhebung ist nicht repräsentativ, zeigt aber klar: Nikotinbeutel sind im Alltag vieler Studierender angekommen.
Hohe Nutzung, vor allem bei jungen Männern
23,1 % der Befragten konsumieren regelmäßig Nikotinbeutel, 17,7 % täglich. Zum Vergleich: 7,7 % rauchen täglich Zigaretten, 4,0 % täglich E‑Zigaretten. Besonders häufig nutzen männliche und jüngere Studierende Nikotinbeutel.
Diskreter Konsum, soziale Einbettung
Der Einstieg erfolgt meist über Freund:innen. Zwei Drittel der Konsumierenden verbergen ihren Konsum vor Familie oder Lehrpersonen. Nikotinbeutel werden als praktisch erlebt: Sie sind fast überall und unauffällig nutzbar – auch dort, wo Rauchverbot gilt. Tägliche Nutzer:innen verwenden sie in vielen Alltagssituationen, gelegentlicher Konsum findet eher in Bars und Clubs statt.
Risiken: bewusst abhängig, aber „weniger schädlich“?
Viele Studierende sehen das Abhängigkeitspotenzial von Nikotinbeuteln als hoch an, schätzen sie aber gleichzeitig als weniger gesundheitsschädlich ein als andere Nikotinprodukte. Für Nikotinbeutel gibt es in Österreich bisher keine Beschränkungen für Werbung und Sponsoring – ein möglicher Grund für diese Risikowahrnehmung.
Konsequenzen für die Prävention
Die Studie zeigt: Nikotinbeutel betreffen nicht nur „ein paar Jugendliche“, sondern viele junge Erwachsene. VIVID fordert daher eine Regulierung von Werbung und Sponsoring – wie bei anderen Nikotinprodukten – und setzt sich für einen besseren Schutz junger Menschen vor Suchtmitteln ein.
Team:
Dr.in Beate Klösch, BSc MA (Projektkoordination)
Center for Social Research (CSR) und Institut für Soziologie, Universität Graz
Dr.in Karin Scaria-Braunstein, MA
Institut für Soziologie, Universität Graz
Assoz. Prof.in Mag.a Dr.in Sabine A. Haring-Mosbacher
Institut für Soziologie, Universität Graz
Mag.a Waltraud Posch
VIVID – Fachstelle für Suchtprävention
Markus Doppelhofer, BA (studentische Mitarbeit)
Institut für Soziologie, Universität Graz
Aron Garamvölgyi, BA (studentische Mitarbeit)
Institut für Soziologie, Universität Graz