Genau hier setzt das vom OeNB-Jubiläumsfonds finanziertes Projekt an.
Andrea Schertler und Johanna Stauder vom Institut für Finance beschäftigen sich mit Geldwäsche in Banken und mit der Frage, warum es sich lohnt, die Perspektive auf dieses Thema zu verändern.
Denn Geldwäsche ist kein Problem, das nur Banken und ihre Compliance-Abteilungen betrifft. Es ist ein gesellschaftliches Problem. Schätzungen zufolge werden weltweit jährlich 800 Milliarden bis 2 Billionen US-Dollar gewaschen – eine Größenordnung von etwa 2 bis 5 % des globalen Bruttoinlandsprodukts. Dahinter stehen Erträge aus kriminellen Aktivitäten, die durch Geldwäsche in den legalen Wirtschaftskreislauf eingeschleust werden und unter anderem organisierte Kriminalität und weitere kriminelle Aktivitäten finanzieren können – bis hin zur Finanzierung von Terrorismus.
Banken kommt deshalb eine besondere Rolle zu. Sie stehen im Zentrum vieler Geldströme und müssen sich damit auseinandersetzen, woher Geld kommt und wohin es fließt. Unsere Ergebnisse zeigen, dass Bankvorstände und Aufsichtsräte Geldwäsche nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen. Die Konsequenzen eines Geldwäschevorfalls treffen eine Bank nicht nur monetär. Auch die Stakeholder reagieren: Die Bewertung am Kapitalmarkt sinkt, es kommt zum Ad-hoc-Verkauf von Wertpapieren durch institutionelle Investoren und das Vertrauen ins Management und seine Fähigkeiten nimmt messbar ab.
Das ist die andere Seite der Medaille: Was heute als lästige Compliance-Maßnahme erscheint, kann morgen entscheidend für den Schutz der Bank und ihrer Stakeholder sein. Unsere Ergebnisse mögen Bankvorstände und Aufsichtsräte deshalb motivieren, einen bewussten und entschlossenen Umgang mit Geldwäscherisiken einzunehmen. Denn vielleicht lautet die entscheidende Frage nicht: „Warum müssen wir das alles machen?“, sondern: „Was passiert, wenn wir es nicht machen?“