HuK Forum: Alltag unter deutscher Besatzung: Macht, Geschlecht und Raum
Mit Deutschlands Angriff auf Polen wurden Millionen von Europäer:innen unter deutsche Herrschaft gezwungen. Die Besatzung erzeugte enorme politische, wirtschaftliche und soziale Umwälzungen und Belastungen. Doch wie sah der Alltag unter der Besatzung aus? Welche Kontakte gab es zwischen Besatzern und Besetzten, und wie gestalteten sich diese Beziehungen? Historische Forschungen, welche diese Beziehungen in den Blick nahmen, fokussierten v.a. auf sexuelle Beziehungen zwischen Soldaten und weiblichen Einheimischen. Doch die Kontakte waren weitaus vielfältiger. Sie umfassten eine breite Palette an Konflikt-, Kooperations- und freundschaftlichen Beziehungen, die die etablierten Konzepte von Widerstand und Kollaboration herausfordern. Am Beispiel Norwegens, das von April 1940 bis Mai 1945 unter deutscher Besatzung stand, richtet Maria Fritsche in ihrem Vortrag den Blick auf deutsche bzw. österreichische Soldaten und die vielfältigen Kontakte zu der einheimischen Bevölkerung. Durchschnittlich 350.000 Wehrmachtsoldaten waren in Norwegen stationiert, das damals eine Bevölkerung von circa drei Millionen hatte. Wie veränderte diese starke deutsche Präsenz die Gesellschaft? Der Fokus richtet sich dabei auf die unterschiedlichen räumlichen Kontexte, in denen sich die „Feinde“ begegneten: Wie prägten diese die Begegnungen zwischen Besatzern und Besetzten? Wie wurde Macht ausgehandelt bzw. verteidigt? Welche Rolle spielten Geschlecht und Geschlechternormen in diesen Beziehungen? Maria Fritsches Untersuchung stützt sich vorwiegend auf die qualitative Auswertung deutscher Militär- und SS-Gerichtsakten – einer außergewöhnlich reichhaltigen Quelle. In ihrem Vortrag wird sie diesen Quellenbestand vorstellen und die Möglichkeiten und methodologischen Herausforderungen diskutieren.