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Preise für NachwuchsforscherInnen

Montag, 17.12.2012, uni.on > Universität, Universität, uni.on > Top News, Naturwissenschaften, Forschen, Karriere & Ehrungen, Sozial & Wirtschaftswissenschaften

ÖAW zeichnet drei WissenschafterInnen der Uni Graz aus

Eine Historikerin, ein Erdwissenschafter und ein Chemiker der Karl-Franzens-Universität Graz wurden am 14. Dezember 2012 in Wien von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften mit Preisen für NachwuchsforscherInnen ausgezeichnet. Doz. Dr. Barbara Stelzl-Marx erhielt für ihre Habilitationsschrift „Stalins Soldaten in Österreich. Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945-1955“ den Jubiläumspreis des Böhlau Verlages 2012 gemeinsam mit Christine Lehne. Dr. Jörg Schrittwieser wurde für seine Dissertation „Chemo-Enzymatic Asymmetric Approaches to Benzylisoquinoline and Berbine Alkaloids“ mit dem Karl Schlögl-Preis 2012 ausgezeichnet, und Dr. Patrick Grunert bekam für seine Dissertation „Integrated Facies-Analysis and Stratigraphy of the Early Miocene North Alpine Foreland Basin (Upper Austria)“ den Preis für Paläobiologie im Jahr 2012.

 

Barbara Stelzl-Marx‘ Buch „Stalins Soldaten in Österreich. Die Innensicht der sowjetischen Besatzung 1945-1955“ ist 2012 im Böhlau Verlag erschienen und stellt ein beeindruckendes Werk der österreichischen Zeitgeschichte dar. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren mehrere Hunderttausend sowjetische Besatzungsangehörige in Österreich stationiert. Deren Geschichte hat die Historikerin erstmals systematisch aufgearbeitet. Dabei lässt sie das Alltagsleben in den Kasernen und die individuellen Erlebnisse von Armeeangehörigen und Offiziersfamilien lebendig werden. Sie zeigt auf, wie sie ihre Freizeit verbrachten, welche ideologischen Schulungen sie erhielten und wie sie für Vergehen bestraft wurden – bis hin zum Umgang mit „Russenkindern“ und verbotenen Liebesbeziehungen. Auf der Basis von Archivdokumenten, Armeezeitungen, Interviews, Fotografien, Dokumentarfilmen und Memoiren entwirft die Autorin ein detailliertes Bild, wie das Kriegsende und die Besatzungszeit in Österreich von den Soldaten wahrgenommen wurden.

 

Die Entwicklung von effizienten und nachhaltigen Verfahren für die Herstellung von Alkaloiden aus der Klasse der Berbine und Benzylisochinoline stand im Mittelpunkt der Dissertation von Jörg Schrittwieser. Diese strukturell eng verwandten Pflanzenstoffe, die unter anderem in verschiedenen Mohnsorten vorkommen, weisen ein breit gefächertes pharmakologisches Wirkspektrum auf – von beruhigenden und schmerzstillenden Eigenschaften bis hin zur Wirkung gegen die Alzheimer-Krankheit, Krebs und HIV. In der traditionellen chinesischen Medizin werden diese Eigenschaften seit Jahrhunderten genutzt, in der westlichen Medizin finden sie nur beschränkt Anwendung, da sie bisher kaum in reiner Form verfügbar gemacht werden konnten. Jörg Schrittwieser gelang es erstmals, mehr als ein Dutzend Berbine und Benzylisochinoline in reiner Form herzustellen. Er bediente sich dabei des „Berberin-Brücken-Enzyms“ aus dem kalifornischen Goldmohn, das Benzylisoquinoline in Berbine umwandelt und dabei eine Reaktion ausführt, die mit rein chemischen Mitteln bis dato nicht möglich ist. Die von Schrittwieser in Kooperation mit KollegInnen an der TU Graz entwickelte Methode zeichnet sich durch hohe Produktausbeuten, milde Reaktionsbedingungen und die Nachhaltigkeit des Biokatalysators aus.

 

Patrick Grunerts Forschungsinteresse konzentriert sich auf das Meer der Zentralen Paratethys, das vor etwa 33 bis 12 Millionen Jahren während des Oligozäns und Miozäns große Teile Europas bedeckte. Einer der wichtigsten Sedimentationsräume der Zentralen Paratethys ist die die Vortiefe der Alpen. Grunert beschäftigte sich in seinen Studien mit dem Puchkirchener Becken, einem Teilbecken der Alpenvortiefe, das sich über weite Gebiete Bayerns, Oberösterreichs und Salzburgs erstreckt. Die marinen Sedimente erreichen hier Mächtigkeiten von mehreren tausend Metern und stellen wichtige Mutter- und Speichergesteine für Erdöl und Erdgas dar. In enger Zusammenarbeit mit der Rohöl-Aufsuchungs-AG konnten grundlegende neue Erkenntnisse zur Geschichte des Puchkirchener Beckens gewonnen werden. Die Forschungsergebnisse stellen nicht nur eine detaillierte Dokumentation globaler und lokaler Ereignisse dar, die die Umweltbedingungen des Puchkirchener Beckens im Laufe des frühen Miozäns geprägt und verändert haben. Gemeinsam mit der verbesserten zeitlichen Einstufung erleichtert die Dokumentation der verschiedenen Ablagerungsräume auch die laufende, teils komplexe Suche nach Erdöl und Erdgas entlang des Südrandes des Beckens.

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